Unserem Freund Klaus Eckhardt

einem Gründungsmitglied und Mitstreiter der ΠΟΠ

von Niki Eideneier

eckhard_n

„Nikos und Niki“: in Griechenland sagt man „adelfikos filos“ – brüderlicher Freund; ein Freund, der mir/uns so nahe stand wie ein Bruder: Er ist von uns gegangen.ΠΟΠ
Klaus Eckhardt, Kreta Klaus, Nikos Germanakis, o Nikos mas, o Nikolakis , wie ich ihn persönlich anredete. Wie soll man es glauben, wie soll man es wahr haben! Wir hatten einen ganz besonderen gemeinsa- men Namensfeiertag: des Heiligen Nikolaos.
Er schenkte mir ein neues Buch von sich oder ein Lied; ich machte ihm seinen Lieblings-Mesedaki:Feta in Olivenöl mit Knoblauchzehen und schwarzen Oliven, mit Rigani gewürzt: Du lässt es ein bisschen ziehen, Nikolaki, es ist zu frisch, ich habe es gestern Abend erst bereitet. Früher haben wir zwei, Nikos und Niki, an diesem Abend in Parea gesungen; unser Traum: uns als Duo irgendwann zu etablieren. Wir wussten, dass es nicht dazu kommen würde. Der Alltag, die Sorgen, die Familien, die Buchhandlung, die es längst nicht mehr gibt, der Verlag, der nicht mehr lang bei mir sein wird – jüngere, dynamischere Hände werden ihn übernehmen. Der Verlag, eine Mit-Initiative von ihm: Niki, du machst den Verlag, d.h. die inhaltliche Arbeit, Du wählst die Bücher, wir übersetzen oder lassen übersetzen, ich kümmere mich um das Drucken, ich lektoriere, wenn es nötig ist, ich helfe bei den bürokratischen Dingen und übernehme die Auslieferung; Du „residierst“ zunächst im Keller der Buchhandlung, ich richte ihn Dir ein, so können wir jede Zeit kommunizieren, ich mache ein besonderes Regal für Deine Bücher. Es wird ein Zentrum für die neugriechische Literatur werden. Lass die großen Verlage, die keine Ahnung haben. eckhardtUnd wie sollen wir den Verlag nennen, Niko? (das Gespräch war zu ernst, um ihn Nikolaki zu nennen!) Na, ROMIOSINI natürlich – so heißt das wunderschöne lange Gedicht von Jannis Ritsos, so hieß unser Stammlokal in Köln, und schließlich ist Romiosini der Begriff, der alle heutigen Griechen umfasst, von Griechenland bis zum anderen Ende der Welt, ja sogar die Griechen des Mittelalters! Das alles sollte der Verlag mitberücksichtigen, um seinem Namen Ehre zu erweisen! Kaimene Nikolaki, was waren das für Ambitionen, denen ich mit Hans an meiner Seite und Du mit Yvonne an Deiner Seite uns gerecht zu werden anschickten! – Ich sollte übrigens bei der Hochzeit Eure Kumpara sein, da ich aber an dem Tag geschäftlich unterwegs war, wurde es Hans; Ihr nanntet Ihn ab dann: Pseudokumparos!
Klaus’ Liederwerke, unsere Bestseller außer Konkurrenz, lange schon vergriffen, warten auf eine unmittelbare, neue Auflage; Das muss, liebe Niki, sofort geschehen, das sind reines Kapital! Ja, Niko mou, aber dafür muss man erst Kapital haben…
Er schrieb aber weiterhin Bücher, seine geliebten Kreta-Krimis, seit neuestem Kreta-Führer, in deren Diensten er auch seinen letzten Atem in Kreta gab. Die Liederbücher aber waren und sind eine Station. Es sind zwei Bände, gewachsen aus einer Idee, welche seine Mit-Idee gewesen war, in unserem

eckhardt_singen2Neugriechisch-Lehrbuch griechische Lieder zur Unterstützung des Lehrstoffs mit einzubeziehen, gleichzeitig als Erholung vom strengen Lernen für den Lernenden. Was war das für eine Freude, wenn sowohl in Köln bei Hans, wie in Frankfurt bei mir, die Lehrstunde zu der Einheit „Lied“ kam! Was haben wir uns gefreut, wenn Nikos mit seiner Gitarre ab und an die Schüler-Sänger dabei begleitete. Und dann, wenn die Frankfurter Buchmesse ihre Tore öffnete, was waren das für wunderschöne, gemütliche Abende, nach den anstrengenden Tagen in unserem übervollen Mini-Stand, in der Einzimmerwohnung von Ursula-Urania, wo wir alle, manchmal bis zu sieben Per-
sonen übernachteten, oft sogar mit Schriftstellerbesuch aus Griechenland!
Es gab natürlich auch schwierige Zeiten: als z.B. Klein-Julian, der Erstgeborene, einen ganz schlimmen Unfall im Hause erlitt, der eine schwierige Operation zur Folge hatte. Sehr früh morgens hat sie stattgefunden, wir in der Buchhandlung und Hans am Telefon warteten gebannt auf das Ergebnis. Klaus kam irgendwann aus dem Krankenhaus zurück und auf unsere stumme Frage: Und??? , antwortete er wie mit dem Lied von Elytis/Kokotos aus dem Band „Lieder der Liebe“: er lebt, er lebt, er lebt, er lebt! Zu weiterer Auskunft war er im Moment nicht in der Lage. Julian, mein Patensohn, und der zweite süße Sohn, Roman, sind nun erwachsen, gesund und munter, nett und lieb und mitfühlend, immer hilfsbereit und kontaktfreudig wie ihre Eltern; sie waren sein Stolz und die größte Freude seines Lebens. Ein volles, ertragreiches Leben, auch wenn es so kurz gedauert hat. Yvonne, seine Lebensbegleiterin in guten und in weniger guten Zeiten, hielt ihm virtuell immer die Hand, auch wenn er das nie öffentlich zugegeben hat. Yvonne, die Heldin unseres Lehrbuchs, erste Lektion: Και πού είναι η Υβόννη; Η Υβόννη είναι στην Ελλάδα; Όχι η Υβόννη είναι στη Γερμανία. Η Βόνη είναι στην Κρήτη! – Und wo ist Yvonne? Ist Yvonne in Griechenland? Nein, Yvonne ist in Deutschland. Voni ist in Kreta. Und auch Nikos, für immer…

von Niki Eideneier

Schreibe einen Kommentar