Verleihung des Ehrenrings der VDGG an Herrn Georg Albrecht

Zur Verleihung des Ehrenrings der Vereinigung der Deutsch-Griechischen Gesellschaften an Herrn Georg Albrecht
am Freitag, 20. März 2015 in Mühlheim/Ruhr

Während eines Festakehrenring_georg_albrecht_14tes mit etwa 100 Gästen wurde am Freitag, den 20. März in der Stadthalle Mülheim/Ruhr wurde der Ehrenring der Vereinigung der Deutsch-Griechischen Gesellschaften (VDGG) von der Präsidentin der Vereinigung Frau Dr. Sigrid Skarpelis-Sperk, an Herrn Georg Albrecht überreicht. An dem Festakt nahmen der Generalkonsul Herr Grigorios Delavekouras, der Metropolit Varnavas von Neapolis und Stavroupolis (Thessaloniki) und die Oberbürgermeisterin der Stadt Mülheim an der Ruhr, Frau Dagmar Mühlenfeld teil, die in Grußbotschaften dem Preisträger dankten und gratulierten.

Der Ehrenring der Vereinigung der Deutsch-Griechischen Gesellschaften (VDGG) wird alle zwei Jahre an Persönlichkeiten, die sich um die deutsch-griechischen Beziehungen im kulturellen, gesellschaftlichen und persönlichen Bereich verdient gemacht haben und für die Völkerverständigung eintreten verliehen. In diesem Jahr erhielt Herr Georg Albrecht, Düsseldorf, als 11er Preisträger den Kulturpreis der Vereinigung.
Frau Sigrid Skarpelis-Sperk hob in ihrer Einführungsrede die frühen 60er Jahre des vergangenen Jahrhunderts, dem Beginn der griechischen Einwanderung nach Deutschland hervor. Jahre, in denen auch das Wirken von Georg Albrecht als Sozialarbeiter im Amt für Diakonie in Köln begann. Sein Schwerpunkt lag von Anfang an in der Beratung der zuwandernden griechischen „Gastarbeiter“ und „Gastarbeiterinnen“, die in den folgenden mehr als 3 Jahrzehnten prägend für die Arbeit der Diakonie nicht nur in NRW war.
Den Preisträger Georg Albrecht nannte sie einen sozialen Innovator für die damaligen neuen Herausforderungen, die auf die Menschen, aber auch auf die sozialen Institutionen wie die Diakonie aber auch die öffentlichen und staatlichen Organisationen hereinbrachen. Als eine herausragende Leistung erinnerte sie an die Gründung des „Initiativkreises für die Reform des Ausländerrechtes“ sowie die Gründung des „Arbeitskreises für eine bessere medizinische Versorgung der Ausländer“ die auf Georg Albrecht zurück hingen und vor allem an den „Informationsbrief Ausländerrecht“, den es noch heute mit Georg Albrecht als Mitherausgeber gibt.
Georg Albrecht, der 1930 in Piräus als Sohn einer griechischen Mutter und deutschen Vaters geboren wurde, stamme aus einer Generation, für die „Frieden und ein friedliches Zusammenleben nichts Selbstverständliches ist, kein gottgegebenes Erbe, sondern nur aus gemeinsamer Verantwortung und Bemühung wächst.“
Eindringlich erinnerte sie gerade wegen der „erbärmlichen Ausein- andersetzungen und Beschimpfungen, die heute das deutsch-griechische Verhältnis – zumindest in den Medien und in der „großen“ Politik auf einen beiderseitigen Tiefpunkt gebracht haben, an diese Zeit solidarischen Handelns.
Frau Sigrid Skarpelis-Sperk beendete ihre Ansprache mit einem Dank an die Diakonie und ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, „die damals wie heute auf diesem Gebiet wichtige, sichtbare und hervorragende Arbeit leistet.“
Es war an Pfarrer Prof. Dr. Uwe Becker, Vorstand der Diakonie Rheinland-Westfalen-Lippe, die Laudatio auf Georg Albrecht zu halten.
Die Eckdaten der Kindheit und Jugend des 1930 in Piräus als Sohn eines deutschen, evangelisch-lutherischen Vaters und einer griechisch-orthodoxen Mutter, geborenen Georg Albrecht nannte er beeindruckend und ernüchtern zugleich. Und ging dabei auch auf die damalige besondere politische Situation in Griechenland, der Metaxa Diktatur und des nationalsozialistischen Deutschland ein. So starb der Vater von Georg Albrecht 1943 als deutscher Reserveoffizier an der Front, was zur Folge hatte, dass er zusammen mit seiner Mutter nach Deutschland kam und noch noch in den letzten Kriegsmonaten im Rahmen der Frontmobilisierung der Hitlerjugend an die Ostfront geschickt wurde. Wo man ihn bald wegen „Wehrkraftzersetzung“ anklagte. Was kam waren: „Flucht vor den Häschern des national- sozialistischen Regimes, Kriegsgefangenschaft und dann wieder allein durchgeschlagen nach Griechenland, 1953 mit 23 Jahren Rückkehr mit einer Aufenthaltserlaubnis Deutschland und zum Studium nach Köln, um an der Fachschule für Werkkunst und Grafik den Beruf des Grafikers zu erlernen.
„Es müsse aber nicht wundern“, so Herr Uwe Becker „dass das dies für Georg Albrecht nicht seine letzte berufliche Entscheidung“ gewesen, sondern, sondern das er Hannah Arend folgend die vom „Weltbezug des Politischen“ sprach, und wie er es einmal auf seine „ironische Art formulierte, auf „die privaten und weltunbezogenen Liebhabereien, die wir Hobby“ nannte, sondern offen für das Politische, empathisch für das Leiden anderer und zugleich analytisch klug, sich angesichts dieses Leides nicht nur der Sorge für andere, sondern auch der Anklage gegenüber den Verursachern des Leides streitbar und couragiert zu widmen. Und deshalb folgerichtig auch seine Ausbildung zum Sozialarbeiter folgte.
Auch Herr Uwe Becker würdigte die Jahre der griechischen Militärdiktatur von 1967 bis 1974 in denen Georg Albrecht zahllosen Griechen mit Rat und Tat zur Seite gestanden habe und die erste Demonstration gegen die Junta beginnend im Vorhof der Melanchthon-Akademie Köln, organisierte, an der auch der spätere Staatspräsident Karolos Papoulias teilgenommen habe.
Er sei „unbequem, unbeirrbar und nicht korrumpierbar bei der Verfolgung Ihrer Ziele einer humanitären und rechtlichen Flankierung griechischer Exilanten gewesen.“
Neben den schon von Frau Sigrid Skarpelis-Sperk erwähnten Initiativen verschiedener Arbeitskreise erinnerte er auch an den Arbeitskreis „Muttersprachlicher Unterricht“.
Ebenso seine Mitwirkung an der Vorbereitung und Durchführung des ersten internationalen Symposions im Gedenken an den ersten Genozid des 20. Jahrhunderts an den Armeniern.
Da sein Engagement „stets sachorientiert streitbar“ gewesen sei, habe er in der Makedonienfrage auch in einem Brief an den damaligen Bundesminister des Auswärtigen, Dr. Klaus Kinkel, vom Dezember 1993 bewiesen. An den er schrieb: „Sie, sehr geehrter Herr Minister, sind aus meiner Sicht Ihrer Verpflichtung zur Pflege guter Beziehungen zu Griechenland, in der die gegenseitigen Interessen beachtet werden sollten, nicht nachgekommen.“ Dieser Brief sei ein Beleg dafür das Georg Albrecht „auf die Kraft der Argumente gegen die Macht des Faktischen gesetzt“ habe. Nicht immer habe er gesiegt, aber stets sei er unermüdlich gewesen.
Auch Uwe Becker geht am Ende seiner Laudatio auf den Streit zwischen der griechischen und der deutschen Regierung ein: „Mehr denn je brauchen wir gegenwärtig Menschen Ihres Geistes, die differenziert und engagiert diskutieren und agieren, die keiner billigen Polemik aufsitzen und nicht schlichte Rhetorik walten lassen, wenn es um fundamentale Fragen einer menschenfreundlichen Ökonomie geht.“
Nach dem Dank des Preisträgers für die Verleihung des Ehrenrings gratulierten ihm ehemalige Mitarbeiter aus der Diakonie und frühe Wegbegleiter und Wegbegleiterinnen. Weiterführender Link:
Interview mit Georg Albrecht – Zeitzeuge aus den Jahren des Aufbaus

Jürgen Rompf