„CHOREGIA“ Heft 15

Vorwort
Horst-Dieter Blume und Cay Lienau

choregia-15Seit der Antike haben Griechen die europäische Kultur maßgeblich geprägt und zugleich selber Elemente der materiellen und geistigen Kultur ihrer Nachbarn übernommen. Die wechselvolle Geschichte der nachbarlichen Beziehungen haben wir zum Thema unseres 21. Griechenland-Seminars gewählt, das am 20./21. Februar 2016 in Münster stattfand, veranstaltet von der Deutsch-Griechischen Gesellschaft Münster unter Beteiligung der Südosteuropa-Gesellschaft. Da hier nicht alle während des Seminars gehaltenen Vorträge publiziert werden konnten, haben wir zur Abrundung des Themas einen eigenen (Lienau/Kahl) und zwei auswärtige Beiträge (Axt, Immig) hinzugefügt.

Der erste Beitrag (Stähler) widmet sich der Antike. Das Verhältnis von Griechen und Skythen steht exemplarisch für die mannigfachen Beziehungen der Griechen zu den Völkern im Orient. – Die Nachbarschaft von Griechen und Albanern (Mallios) war selten konfliktfrei, jedoch auch fruchtbar zu beiderseitigem Nutzen. Die (illegale) Einwanderung von einer halben Million Albanern nach Griechenland seit dem Ende des Kommunismus verlieh dem Thema erneut höchste Aktualität. – Der Beitrag Slawen und Griechen – mehr als Nachbarn (Kahl) reicht weit zurück ins Mittelalter, doch im Fokus der Untersuchung stehen die Balkanvölker: Bulgaren, Serben und Makedonen, sowie die slawischen Minderheiten in Griechenland. – Ein besonderes Augenmerk verlangen naturgemäß die politischen und kulturellen Beziehungen zwischen Griechen und Türken. Ein Blick auf die griechisch-türkischen Wurzeln des Rebetiko (Rondholz) diente der Einstimmung. Zwei Beiträge widmen sich sodann dem Zusammenleben von Christen und Muslimen in Griechenland. Im ausgehenden 19. Jahrhundert gestaltete sich dies in Thessaliens Verwaltung und Schulen offenbar problemlos (Immig); die Situation heute in Westthrakien, der einzigen Provinz mit einer namhaften muslimischen Minderheit, erweist sich als kompliziert, jedoch im ganzen konfliktfrei (Lienau/Kahl). Schließlich das brisante Thema der politischen Beziehungen zwischen Griechenland und der Türkei: der nach wie vor ungelöste Zypernkonflikt und die Massenflucht über die Ägäis drohen alte Differenzen neu zu beleben (Axt).

Wir danken den Autoren für die Überlassung ihrer Manuskripte und allen, die für die Vorbereitung und Durchführung des sehr gut besuchten 21. Griechenland-Seminars verantwortlich waren, insbesondere Barbara Blume. Ein spezieller Dank gilt dem Auswärtigen Amt, das die Tagung finanziell unterstützte und damit zu ihrem Erfolg beitrug

Münster, im Januar 2017

Horst-Dieter Blume und Cay Lienau

 

Inhalt

Klaus Stähler: Griechen und Skythen

Christos Mallios: Etablierte und Außenseiter: Die albanische Einwanderung nach Griechenland nach der „Wende“ in Albanien.

Thede Kahl: Slawen und Griechen – mehr als Nachbarn

Eberhard Rondholz: Lieder aus dem west-östlichen Untergrund die griechischen und die türkischen Wurzeln des Rebetiko

Nicole Immig: Christen und Muslime in Thessalien zu Ende des 19. Jahrhunderts

Cay Lienau und Thede Kahl: Nachbarn im eigenen Land: Muslime in Griechisch-Thrakien

Heinz-Jürgen Axt: Die Türkei – Griechenlands schwieriger Nachbar im Osten

 

Choregia Heft 15

Münstersche Griechenlandstudien

(Hrsg. Horst-Dieter Blume und Cay Lienau)

Griechen und ihre Nachbarn, 161 Seiten,

Münster 2017, ISBN 978-3-934017-24-X

zu beziehen über: Prof. Dr. Cay Lienau

Fax: 0251-1367294 oder lienau@uni-muenster.de

Einzelheft 14 Euro, im Abo 10 Euro

https://choregia.jimdo.com/choregia/heft-15-2017/