MAHNUNG FÜR DEMOKRATEN IN EUROPA UND DER WELT

Zum 50. Jahrestag des Militärputsches in Griechenland hat die Deutsch-Griechischen Gesellschaften (VDGG) eine Erklärung herausgegeben, die wir hier ebenfalls veröffentlichen. Im Anhang befinden sich Links zu einigen Videos, die die Deutsche Welle gestern veröffentlicht hat. Unter anderem auch eine gekürzte Fassung des Films Wort und Widerstand von Timon Koulmasis. (J.R.)

MAHNUNG FÜR DEMOKRATEN IN EUROPA UND DER WELT

„Am 21.April 2017 jährt sich zum 50. Mal die Machtübernahme durch die Militärs in Griechenland. An jenem Morgen putsche eine Gruppe Obristen und errichtete die erste Diktatur im Nachkriegseuropa. Die Junta hielt sich mehr als sieben Jahre lang an der Macht.
Das Regime inhaftierte und folterte seine Gegner. Meinungs- und Pressefreiheit wurden aufgehoben, politische Parteien verboten, Briefverkehr und Telefongespräche überwacht, Gewerkschaften, die nicht aufgelöst wurden bekamen neue von den Militärs hörige Vorstände. Werke der griechischen und internationalen Literatur kamen auf den Index der Junta, Filme und Theaterstücke wurden zensiert. Militärgerichte verurteilten Bürger schon zu Gefängnisstrafen, wenn sie Lieder des linken Komponisten Mikis Theodorakis sangen.

In vielen Ländern Europas entstand damals eine breite Welle der Solidarität mit dem unterjochten griechischen Volk. Eine besondere Rolle spielte dabei die Bundesrepublik Deutschland, in der damals mehr als eine halbe Million griechische Gastarbeiter lebten und in der eine ganze Reihe von griechischen Oppositionellen Zuflucht fand. Vor allem die studentische Jugend und die deutschen Sozialdemokraten gingen damals in Deutschland auf die Straße und protestierten gegen die Erstickung der Demokratie ausgerechnet in dem Land in dem sie geboren wurde.
Überall in Deutschland bildeten sich Solidaritätsgruppen mit Griechenland, Kirchen, Gewerkschaften und Menschenrechtsorganisationen unterstützten den Widerstand des griechischen Volkes gegen die Junta. Der damalige Außenminister Willy Brandt setzte sich persönlich für die Rettung griechischer Oppositionellen vor der Verfolgung der Junta ein und unterstützte auch später als Bundeskanzler die Sanktionen gegen das Militärregime.

Wichtige deutsche Medien wie Spiegel, Stern, die Zeit, Frankfurter Rundschau und die Süddeutsche Zeitung berichteten regelmäßig von und über Griechenland und deckten die Machenschaften der Junta auf. Eine besondere Aufgabe übernahm in dieser Zeit die Deutsche Welle, die über Kurzwelle in griechischer Sprache unzensierte Nachrichten nach Griechenland sendete und zum (illegalen) Nationalsender der Griechen wurde.

Spektakuläre deutsche Aktionen zur Unterstützung griechischer Demokraten kommen aus diesem Anlass wieder in Erinnerung, wie die Flucht des zu 18 Jahren Haft verurteilten renommierten Professors Georgios Mangakis in einer Bundeswehrmaschine, oder der lebensgefährliche Überflug der Gefangeneninsel Jaros durch den Stern-Reporter Fred Ihrt, der mit seinen Photos die Lügen des Regimes, in Griechenland gäbe es keine politischen Gefangenen, dokumentierte, der beeindruckende Vortrag von Günter Grass über Freiheit und Menschenrechte im Athen des Ausnahmezustandes, oder auch die Aktion des Schriftstellers Günter Wallraff, der sich im Zentrums Athens ankettete um gegen die Militärdiktatur zu protestieren. Aktionen wie diese rüttelten das europäische Gewissen wach und mobilisierten die Öffentlichkeit gegen die Obristenjunta.

Als die Demokratie 1974 in Griechenland zurückkehrte, machte die Bundesrepublik ihren Einfluss geltend Griechenland in die Europäische Gemeinschaft aufzunehmen und so die neuerworbene Freiheit zu schützen und zu festigen.

Der 50. Jahrestag des Militärcoups in Griechenland und seine Folgen sollten eine Mahnung für alle Kräfte in Europa und die Welt sein, niemals zu vergessen, welche Gefahren die Aushöhlung der Demokratie und der Grundfreiheiten für ein Volk einschließt.“

Quelle: Vereinigung der Deutsch-Griechischen Gesellschaften (VDGG) 


Die Deutsche Welle (DW) zeigte am 21.04.2017 zu diesem historischen Ereignis um 11:45 in der Reihe „Filmdoku“ den Film „Wort und Widerstand“, den man in er gekürzten Fassung auch zusammen mit anderen Beiträgen der Deutschen Welle in der Mediathek sehen kann.

Wort und Widerstand

38110386_303Widerstand in der griechischen Diktatur. Die Deutsche Welle war während des Militärregimes der meist gehörte Sender des Landes. Der Film erzählt die Geschichte der Männer und Frauen, die das griechische Programm geschaffen – und mit Worten gegen Faschismus und Folter gekämpft haben.
Täglich hörten die Griechen während der Militärdiktatur heimlich die griechische Nachrichtensendung der Deutschen Welle, die zur Stimme der Freiheit und des Widerstands geworden war. Timon Koulmasis erzählt in seiner Dokumentation auf sehr persönliche Weise von diesem Kapitel deutschgriechischer Geschichte.
http://www.dw.com

 

Die Rolle der DW während der griechischen Diktatur

2017-04-21 (2)Nach dem Militärputsch in Griechenland vor 50 Jahren wurde die Bevölkerung unterdrückt. Die DW kritisierte in ihrem griechischen Radioprogramm die Junta und spielte eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Diktatur.
http://www.dw.com/

 

DW bedeutende Stimme gegen Diktatur in Griechenland – Interview mit Peter Limbourg

2017-04-21 DW_02Vor 50 Jahren putschte das Militär in Griechenland – sieben Jahre Diktatur folgten. In dieser Zeit wurde die Deutsche Welle zu einer Stimme des Widerstands, zu „der vielleicht wichtigsten internationalen Stimme für die Menschen in Griechenland“, sagt DW-Intendant Peter Limbourg.
http://www.dw.com/

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