FACHTAGUNGUNG ZERRBILD UND WAHRHEIT

Freitag, 9. und Samstag, 10. November 2012, ab 16:30 Uhr, Köln
FACHTAGUNGUNG ZERRBILD UND WAHRHEIT
der Vereinigung deutsch-griechischen Gesellschaften (VDGG)

Veranstalter:
Stadt Köln in Kooperation mit der Vereinigung der Deutsch-Griechischen Gesellschaften und der Unterstützung der ΠΟΠ

Die Veranstaltung wurde durch das Auswärtige Amt gefördert. Die Tagung hatte drei Schwerpunkte:
Der erste befasste sich mit dem Bild Griechenlands in den deutschen bzw. dem Deutschlandbild in den griechischen Medien.
Den zweiten Schwerpunkt bildete u. a. der Austausch über Partnerschaften mit griechischen Kommunen, der wissenschaftliche und kulturelle Austausch zwischen den Hochschulen und den Kulturträgern unserer beiden Länder. Und fragte, welchen Beitrag die Vereine zur derzeit sozialen Not in Griechenland leisten können.
Der dritte Schwerpunkt befasste sich mit den Problemen der jetzt wieder vermehrt nach Deutschland einwandernden Griechen, die hier Arbeit und kulturelle Integration suchen.

Bericht

von Jürgen Rompf

Die turnusmäßige Fachtagung der Vereinigung der Deutsch-Griechischen Gesellschaften (VDGG) im Kölner Rathaus am 9. und 10. November war mit etwa 130 Teilnehmern außerordentlich gut besucht.

Die Eröffnungsansprachen von Jürgen Roters und seinem griechischen Amtskollegen Yiannis Boutaris sowie dem Botschafter Griechenlands, Dimitris Rallis, dem Vorsitzenden der Initiativgruppe Griechische Kultur (POP), Nikos Thanos und letzten Endes die Ansprache der Vorsitzenden der Vereinigung der Deutsch Griechischen Gesellschaften (VDGG), Dr. Sigrid Skarpelis-Sperk, machten deutlich, dass es auch um die Städtepartnerschaft Köln–Thessaloniki, die im kommenden Jahr ihr 25 jähriges Jubiläum feiern gehen  wird. Aber auch konkrete Projekte der Stadt Thessaloniki in der Abfallwirtschaft, mögliche Kooperationen und Gespräche mit Wirtschaftsverbänden standen auf der Agenda des Bürgermeisters aus Thessaloniki.

Das Hauptthema des ersten Teils der Veranstaltung: Das Bild der Griechen in der deutschen Presse am Beispiel der deutsche Boulevardpresse und anderer deutschen Medien, als auch umgekehrt, das „Bild der Deutschen in den griechischen Medien“, schien zunächst etwas vordergründig. Doch zeigte sich sehr schnell, dass die Zusammenhänge zwischen Kommerz, Politik und Nachricht weitaus vielschichtiger sind, als es dem Laien erscheint.

Am Samstagmorgen referierten Bürgermeister Yannis Boutaris und Oberbürgermeister Jürgen Roters über die Hoffnungen der Städtepartnerschaft zwischen Thessaloniki und Köln. Dr. Diana Siebert von der POP wies darauf hin, dass dies mehr bedeutet, als der freundschaftliche Austausch über Politik, Verwaltung und Kultur, sondern auch gemeinsame Anstrengungen im Vorgehen gegen gegen rechtsextreme Parteien und Organisationen in beiden Ländern.

Dass es trotz anhaltender Krise und Zerwürfnissen zwischen Deutschland und Griechenland zahlreichen Verbindungen und Aktivitäten mit konkreten Angeboten gibt, zeigten die Referenten zum Thema: „Die Welt des intellektuellen und akademischen Austausches“. Insbesondere verwies Gebhard Reul  vom DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) auf die Rückläufigkeit im Studienaustausch.

Mitglieder verschiedener Freundschaftsgesellschaften berichteten über ihre Erfahrungen mit Spendenaktionen während der vergangenen Monate. Euthymia Graßmann-Gratsia berichtete ausführlich über über die Spendenaktion der DGG-Saar, die bisher die beträchtliche Summe von 4.750,00 € erbracht hat, die an den „Verein der Freunde des Zentrums für Empfang und Solidarität des Demos der Athener“ übermittelt wurde. Es ging um praktische Umsetzbarkeit und um Schwierigkeiten solcher Spendenaktionen, die spätestens dann beginnt, wenn darüber entschieden werden muss, an welche Organisation die Spendengelder überwiesen werden sollen.

Gleichwohl, damit war die Tagung damit an ihrem eigentlichen Kern angekommen: Der Frage: „Wie vermeiden wir eine verlorene Generation – wie können wir den arbeitsuchenden Griechinnen und Griechen helfen?“ Frau Skarpelis-Sperk hatte schon in ihrer Eröffnungsrede betont, dass die Arbeitslosigkeit der Jugendlichen in Griechenland bei fast 60% liegt und sich in den vergangenen Jahren, dramatisch verschlechtert, habe. Ihre Fragen an das Podium zielten auf konkrete Lösungsansätze der Gewerkschaften (Dr. Sabine Graf, DGB) und Organisationen (Chrissa Stamatopoulou Diakonie), (DIHW) in Griechenland als auch in Deutschland.

Wohltuend ernüchternd wirkte der Beitrag von Ferdinand Fuchs (Handwerkskammer zu Köln), der aufzeigte, welche Voraussetzungen zum Beispiel ein Betrieb mitbringen muss, um Lehrlinge aus Griechenland oder anderen Ländern aufnehmen zu können. Heftigen Widerspruch erntete dagegen der Vertreter des DIHW, wegen seiner wohl allzu pauschalisiert vorgetragenen negativen Erfahrungen mit griechischen Unternehmen, Gewerkschaften und Verbänden.

Es gab wenig konkretes oder gar einen echten Fortschritt zu berichteten. Die traditionell in der Integration und Beratung ausländischer Arbeitskräfte verankerten Organisationen, der DGB und die Diakonie verwiesen auf die zunehmende Rück- und Zuwanderung von Griechen nach Deutschland. Hierzu hatte die Diakonie Rheinland eine Broschüre ausgelegt, die als Wegweiser und Hilfestellung für Zuwanderer dienen soll.

Es muss deshalb nicht verwundern, dass im abschließenden Streitgespräch der Parteienvertreter, welches dann keines war, wenig an überzeugenden Konzepten zum Vorschein kam. Am interessantesten war dann doch der ehemalige Außenminister Griechenlands, Dimitris Droutsas, der als Insider und Kritiker auf das politische System und die enge Verflechtung der bisherigen Parteien- und Medienlandschaft in Griechenland hinwies, die unbedingt aufgelöst werden müsse.

Was für ein Fazit lässt sich aus dieser Tagung ziehen und wem hat sie genützt? Am meisten wohl den Mitgliedsvereinen der VDGG, die vor erheblichen Schwierigkeiten stehen, weil sie vor Aufgaben gestellt werden, die sie sich so nicht ausgesucht haben. Ein Spagat zwischen Politik und Kultur, Solidarität und tätiger Hilfe.

Emotional war sie allemal, sowohl für Deutsche als auch für die Griechen. Für manche war es ein freudiges Trostpflaster, als sich Yannis Boutaris am Samstagabend in Gegenwart vieler bekannte Gesichter auch aus der Griechischen Gemeinde Köln in das Goldene Buch der Stadt Köln eintrug. Yannis Boutaris überreichte dem Bürgermeister Hans-Werner Bartsch außerdem eine kleine Nachbildung der goldenen Larnax, die im Original die Gebeine von Philipp II. von Makedonien enthalten soll. Zerrbild und Wirklichkeit. Auf dieser Tagung kam so manches zusammen. Möglicherweise entstand bei dem ein oder anderen auch etwas Hoffnung. Stolz konnten die anwesenden Griechen aus Köln und Umgebung  auf jeden Fall sein, deren Koinotita in diesem Jahr ihr fünfzigjähriges Jubiläum feiert. Was übersetzt nicht anderes bedeutet, als 50 Jahre Leben und Arbeiten in Köln.

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