Sonntag, den 29. Oktober 2017, HELENA von Jannis Ritsos, 18:00 Uhr, Köln

Szenische Lesung mit Christiane Sturm
(Übersetzung ins Deutsche: Elena Pallantza und die Gruppe LEXIS)

Einführung und Moderation: Elena Pallantza

Die Gestalt der Helena hat seit der Antike zahlreiche Dichter, bildende Künstler und Intellektuelle fasziniert. Die Frau, die den trojanischen Krieg auslöste und für Tod und Leid Tausender Menschen verantwortlich war, bleibt rätselhaft und ambivalent. Der griechische Dichter Jannis Ritsos fingiert die letzten Stunden dieser grande dame der griechischen Mythologie: nicht etwa der jugendschönen homerischen Helena, sondern einer von Alter, Verfall und Resignation erbarmungslos gezeichneten Gestalt. Ein wunderbarer Text über Tod und Vergänglichkeit, aber auch über den leisen Widerstand des Alltags und die ultimative Würde des Menschen.

Ort: HINTERHOFSALON, Aachener Str. 68, 50674 Köln
Internet: www.hinterhofsalon.de
Eintritt: 7 Euro für nicht Mitglieder 5 Euro für Mitglieder
Veranstalter: ΠΟΠ – Initiativgruppe Griechische Kultur e.V.


Aus dem Nachwort:
„Eine Hymne auf die ultimative Würde des Menschen vor dem Tod oder das ästhetische Vermächtnis des Poeten der elementaren Dinge, wo das Erhabene und das Banale ausgewogen zur Sprache kommen? Vielleicht eine ironische Verarbeitung der Vergänglichkeit, eine Ausbeutung des Todes, wie Ritsos selbst in jener Zeit seine Arbeitsmethode beschreibt? Oder haben wir es doch mit versteckter gesellschaftspolitischer Kritik an einer gescheiterten, selbstverliebten Welt zu tun, deren verspätete Selbsterkenntnis völlig nutzlos bleibt? Mit maskiertem Protest gegen den ideologischen Verfall der dichterischen Gegenwart? Helena öffnet sich gewiss einer Vielfalt von Interpretationen und Bezügen…“
Verlag: reinecke-voss.de/cms/ritsos.html


Textauszug:
Oh, diese Fremdheit in den eigenen Kleidern, die mit uns alt werden,
in der eigenen runzligen Haut; die Finger aber
können nicht mehr greifen, nicht einmal die Decke um unseren Körper festhalten,
die sich von allein emporhebt, auflöst, verschwindet, uns unbedeckt
vor der Leere zurücklässt. Und dann beginnt die Gitarre,
die seit Jahren mit verrosteten Saiten vergessen an der Wand hängt,
zu zittern – wie das Kinn einer alten Frau vor Kälte oder Angst,
und du musst deine Hand auf die Saiten legen, ihrem ansteckenden Schauder
ein Ende setzen. Doch du findest deine Hand nicht, du hast keine Hand,
und du spürst in deinem Magen, dass es dein eigenes Kinn ist, das zittert.

Ω, αυτή η ξενιτιά μας μέσα στα ίδια μας τα ρούχα που παλιώνουν,
μες στο ίδιο μας το δέρμα που ζαρώνει• ενώ τα δάχτυλά μας
δεν μπορούν πια να σφίξουν, να κρατήσουν τριγύρω στο κορμί μας
ούτε καν την κουβέρτα, που ανυψώνεται μόνη, διαλύεται, φεύγει, αφήνοντάς μας
ακάλυπτους μπροστά στο κενό. Και τότε η κιθάρα, κρεμασμένη στον τοίχο,
ξεχασμένη από χρόνια, με χορδές σκουριασμένες, αρχίζει να τρέμει
έτσι που τρέμει το σαγόνι μιας γριάς απ’ το κρύο ή απ’ το φόβο, και πρέπει
να βάλεις πάνω στις χορδές την παλάμη σου, να σταματήσεις
το μεταδοτικό τους ρίγος. Μα δε βρίσκεις το χέρι σου, δεν έχεις χέρι,
κι ακούς μες στο στομάχι σου πως είναι το δικό σου σαγόνι που τρέμει.

Weitere Textauszüge der Übersetzung hier:
http://www.poiein.gr