Biografische Notizen: Mischi Steinbrück

Wie kommt eine in Deutschland lebende Österreicherin zu den griechischen Freiheitskämpferinnen?

Mischi Steinbrück ist Schauspielerin und Autorin. Seit den frühen 1970erJahren hat sie Kontakt mit griechischen Arbeitsemigrant/innen, Student/innen und Kulturschaffenden. Seit damals schien ihr, dass die griechischen Frauen selbstbewusster und kämpferischer sind als die deutschen und österreichischen. Trotz Patriachat und Sexismus.

Diesem Eindruck spürte sie nach und entdeckte im reichen Liedgut Griechenlands eine erhebliche Menge von Texten, die ihren Eindruck bestärkten. Sowohl in den städtischen Rebetika als auch in den Liedern der 1970er- und 80erJahre fand sie dramatische, melancholische, humorvolle, witzige und aggressive Texte, in denen die Frauen den Ton angaben.

Auf die Freiheitskämpferinnen des frühen 19. Jahrhunderts wurde sie durch die Historikerin Vivi Papanajotou aufmerksam gemacht, als sie mit dieser eine Rundfunksendung mit dem Titel „Bysakia exo – Busen raus! Die starken Frauen Griechenlands im Lied“ gestaltete.

Danach ging Mischi selbst mit einem Rebetikoprogramm auf die Bühne und konzertierte mit „Kurz ist der Sommer – unendlich lang die Winter“ mehr als zehn Jahre in ganz Deutschland für griechische Gemeinden, Frauengruppen und Gleichstellungsveranstaltungen. Ihre zum Teil sogar singbaren Übersetzungen der Rebetika führten zu einer Besinnung des griechischen Publikums auf das ganz Besondere vieler Texte, die üblicherweise im Rahmen von Tavernen- und Tanzveranstaltungen in den Hintergrund treten.

Erst nach dieser Arbeit öffnete sie sich auch für den Großmeister des griechischen Lieds und brachte zwei bislang in Deutschland unbekannte Theodorakis-Zyklen zu deutschen Uraufführungen. „Politeia Gamma“ und „Ta Lyrika“, letzteres mit griechischen und deutschen Jazzmusiker/innen in eigener Bearbeitung unter dem Titel THEODORAKIS GRÜSST DEN SCHATTEN CHE GUEVARAS.

Der Gedanke an die Freiheitskämpferinnen des 19. Jahrhunderts entzündete sich wieder, als Mischi Steinbrück im Rahmen einer Auseinandersetzung mit der deutschen Romantik auf den „Griechen-Müller“ stieß, der 1823 „Neue griechische Lieder“ bei Brockhaus in Leipzig veröffentlicht hatte. Übersetzungen (ohne Noten) griechischer Lieder, unter anderem von Freiheitsliedern. In einem davon wird die „Souliotin“ gepriesen, eine Frau, die leidenschaftlich darum wirbt, mit ihrem Mann zusammen gegen die Türken zu kämpfen.

Erstaunlicherweise fanden diese griechischen Lieder enthusiastischen Anklang in Deutschland. Das Heft erreichte zehn Auflagen (!) – und man kann annehmen, dass sich damit nicht nur Freiheitsdurst und Nationalbewusstsein, sondern auch ein völlig neues Frauenbild verbreitete. Im gleichen Jahr veröffentlichte Wilhelm Müller aber auch seine berühmte „Winterreise“, die Schubert vertonte mit ebenso großem Anklang: Revolte und Melancholie zur gleichen Zeit…

Mischis KAPITÄNINNEN DER FREIHEIT aber waren Realität. Begeisternde und verstörende Biografien. Mit ihrer literarisch-musikalischen Annäherung an die Geschichte dieser großen Frauen möchte sie die Herzen entflammen und den Verstand in Anschlag bringen. Geschichte endet nicht.

Text: Mischi Steinbrück