Ehrendoktor für Niki Eideneier

Wir von der ΠΟΠ freuen uns ganz besonders für Verleihung des Ehrendoktors an unsre ehemalige Vorsitzende Niki Eideneier. Und gratulieren ihr zu dieser verdienten Auszeichnung. Für die ΠΟΠ ist Niki ein Vorbild in unserer täglichen Arbeit und oft, nicht nur, wenn es um Literatur geht, unsere erste Ansprech- und Ratgeberin.

Der Vorstand der ΠΟΠ
Jürgen Rompf, Helena Katsiavara, Anastasia Sakavara, Ulrike Gruber, Nikos Thanos, Maria Barba


 

Eigentlich ist es überflüssig Niki Eideneier in der deutsch-griechischen Szene vorstellen zu wollen, dennoch:
Niki Eideneier, geb. am 28.10.1940 in Kilkis, Griechenland. Studium der Klassischen, Byzantinischen und Neugriechischen Philologie in Thessaloniki (1958-1963) und München. 1963-1964) als Stipendiatin des DAAD und (1964-1965) als Stipendiatin des Bayerischen Kultusministeriums in München. 1964-1971 freie Mitarbeiterin für das griechische Programm des Bayerischen Rundfunks. 1974-1983 Lehrbeauftragte für neugriechische Sprache und Literatur an der Universität Frankfurt. 1982 Gründung des Romiosini Verlags für zeitgenössische griechische Literatur in deutscher Sprache. Gründungsmitglied der Initiativgruppe Griechische Kultur in der Bundesrepublik Deutschland „ΠΟΠ“ und einige Jahre deren Vorsitzende ebenso Gründungsmitglied der Gesellschaft Griechischer AutorInnen in Deutschland und für einige Jahre deren Vorsitzende; 1983-1989 stellvertretendes Mitglied des Rundfunkrats des WDR in Köln. Verheiratet, zwei Kinder. Lebt seit 1969 in Köln.
Verfasserin zahlreicher Essays und Beiträge zur zeitgenössischen griechischen Literatur im In- und Ausland und Vorträge zu denselben Themen. Viele Übersetzungen vom Deutschen ins Griechische und umgekehrt, viele Vorstellungen griechischer und deutscher Autoren, Buchkritiken und im Redaktionsteam der neuen Onlinezeitschrift „Logographia“ der Gesellschaft Griechischer AutorInnen in Deutschland.


Ehrendoktorwürde für „Literaturdiplomatin“ Niki Eideneier

von Theo Votsos

Ehre wem Ehre gebührt! Seit mehr als einem halben Jahrhundert setzt sich die vorwiegend in Köln lebende Autorin, Übersetzerin und Verlegerin Niki Eideneier unermüdlich für die Verbreitung der griechischen Literatur und Kultur im deutschsprachigen Raum ein. In Anerkennung und Würdigung ihrer unschätzbaren Verdienste um die deutsch-griechischen Beziehungen verlieh ihr nun die Abteilung für Deutsche Sprache und Philologie der Philosophischen Fakultät der Aristoteles Universität Thessaloniki in einem bewegenden Festakt den Ehrendoktortitel

Die feierliche Zeremonie wurde in Anwesenheit zahlreicher Gäste aus Griechenland und Deutschland von Universitätsdirektor Periklis Mitkas, dem Dekan der Philosophischen Fakultät Dimitrios Mavroskoufis und dem gesamten Lehrpersonal der Abteilung für Deutsche Sprache und Philologie geleitet. Für die Geehrte schloss sich an diesem denkwürdi- gen Abend des 15. Mai im altehr- würdigen Philosophiegebäude der größten Hochschule Griechenlands gewissermaßen ein Kreis. An dem- selben Ort trat die damals 18-jährige Niki Anastasiadi vor fast 60 Jahren ihr Studium der Griechischen Philologie an. Hier lief sie anno 1959 dem schwäbischen Gaststudenten und künftigen Professor für Byzantinistik und Neogräzistik Hans Eideneier erstmals über den Weg. Demselben Hans Eideneier, dem sie 1963 nach Deutschland folgen, mit dem sie 1965 den Bund der Ehe schließen und der sich – ein regelrechter Hansdampf in allen griechischen Sprachgassen – in den bisherigen fast 60 Jahren gemein- samen Weges als ihr Bruder im Geiste und kongenialer Gefährte erweisen sollte. Hier begann sich schließlich
abzuzeichnen, was sich ab den frühen 1960er Jahren im damals noch fernen Deutschland zu ihrer Berufung entwickeln und wofür sie anno 2018 im erlauchten Gelehrtenkreis „ihrer“ Universität ehrenvolle Wiederaufnahme finden sollte: Ihr tagtäglicher Einsatz für die Vermittlung eines zwar kritischen, von herkömmlichen Klischees und nationalistischen Verengungen bereinigten, aber immer solidarischen Blicks auf ihr Heimat- land Griechenland und – damit ein- hergehend – ihr beharrliches, bis zum heutigen Tag anhaltendes Engagement für eine substantielle Völkerverständigung zwischen Deutschen und Griechen.

Einsatz für die Vermittlung eines solidarischen Blicks
Hochschuldirektor Periklis Mitkas und Dekan Dimitrios Mavroskoufis wiesen Niki Eideneier in ihren Grußworten als herausragende Persönlichkeit der griechischen Diaspora und wirkungsmächtige Botschafterin Griechenlands in Deutschland aus. Besonders bewegende Schlaglichter auf ihr bewegtes Leben im Dienst der griechischen Literatur und Kultur und des interkulturellen Dialogs warf in ihrer Laudatio die Professorin Ioanna Ikonomou-Agorastou. Unter anderem ging sie auf die Kindheit Eideneiers in Kilkis ein, wo sie am 28.10.1940 (sic!) das Licht der Welt erblickte, an dem Tag also, an dem Griechenland Mussolinis faschistischem Ita- lien ein gellendes Ochi (Nein) entgegenschleuderte und an dem der in die nationalsozialistische Besatzung mündende italienisch-griechische Krieg seinen Anfang nahm.
Romiosini: Wichtiger Beitrag für das gegenseitige Verständnis
Nach ihrer Ankunft in Deutschland arbeitete sie zunächst unter der Leitung von Pavlos Bakoyannis als freie Mitarbeiterin für das legendäre griechischsprachige Programm des Bayerischen Rundfunks, später als Lehrbeauftragte für neugriechische Sprache und Literatur an der Universität Frankfurt. Ihr wichtigster Beitrag zur Förderung der griechischen Literatur war jedoch ohne Frage der Romiosini Verlag, den sie 1982 zusammen mit ihrem Mann in Köln gründete. Getreu den Mottos „Lernt Griechenland durch seine Literatur kennen“ und „Unsere Bücher haben kein Verfallsdatum“ betrieb sie den Verlag für zeitgenössische griechische Literatur ganze 32 Jahre lang in eigener Regie und brachte in diesem Zeitraum stattliche 187 Titel heraus. Darunter befand sich ein repräsentativer Querschnitt der klassischen neugriechischen Prosa und Lyrik, eine Reihe mit Theaterstücken, sprachwissenschaftliche und landeskundliche Werke, aber auch viele Anthologien, unter anderem das preisgekrönte dreisprachige (griechisch-türkisch- deutsche) Lesebuch Kalimerhaba. Der kommerzielle Erfolg spielte dabei eine völlig untergeordnete Rolle, der Zweck des Verlags bestand vielmehr
darin, der griechischen Literatur den Zugang zum deutschen Buchmarkt zu ermöglichen, um die größeren deutschsprachigen Verlage für griechische Gegenwartsautoren zu interessieren. Niki Eideneier vollbrachte damit, wie Ikonomou-Agorastou in ihrer Laudatio betonte, eine Pionierleistung und erwies sich als Vorreiterin einer Literaturdiplomatie von unten. 2014 gab Eideneier den Verlag in die Hände des am Lehrstuhl für Neogräzistik der Freien Universität Berlin angesiedelten Centrums Modernes Griechenland (CeMoG), das die editorische Tätigkeit unter dem Namen Edition Romiosini bis heute fortsetzt.

Anerkennung für einen jahrzehntelangen Weg
Doch selbst ohne die kraftzehrende und zeitintensive Arbeit am eigenen Verlag, Niki Eideneier denkt mit ihren zarten 78 Lebensjahren noch lange nicht daran, sich zur Ruhe zu setzen. Nach wie vor setzt sie sich, ob als Autorin oder Übersetzerin, unermüdlich dafür ein, der Vielfalt der neugriechischen Literatur und Kultur im deutschsprachigen Ausland Gehör zu verschaffen. Auf der anderen Seite ist sie als Gründungsmitglied der seit 2001 bestehenden Gesellschaft griechischer Autoren in Deutschland in mindestens ebenso starkem Maße daran interessiert, dem oft abschätzig als Migrantenliteratur verpönten literarischen Schaffen der im deutschsprachigen Ausland lebenden griechischen Autorinnen und Autoren die ihm gebührende Aufmerksamkeit zu verschaffen – nicht zuletzt in Griechenland selbst. Der Ehrendoktortitel, den ihr die Universität Thessaloniki nun verliehen hat, dürfte für sie weniger Anerkennung für ihren vor vielen Jahrzehnten ein- geschlagenen Weg der Literatur- und Kulturdiplomatie von unten als viel- mehr zusätzlicher Ansporn sein, auf diesem Weg auch in Zukunft unbeirrt voranzuschreiten. Kalo dromo, Niki!

(Der Artikel ist zuerst in der Griechenlandzeitung, Ausgabe Nr. 628, Mittwoch, 23. Mai 2018, S. 13 erschienen)