Ein Filmprojekt in Thessaloniki

 

Foto: Marco Papadopoulos

Marco Papadopoulos, ist 26 Jahre alt, Student der Film- und Medienwissenschaft und Anglistik an der Ruhr-Universität Bochum. Zurzeit beendet er seine Masterarbeit in Griechenland, Thessaloniki. Er schreibt über die Filmische Repräsentation Thessalonikis.
Ein, an sich schon spannendes Unterfangen. Darüber hinaus wird er im Dezember einen Film über den Rembetiko zu drehen beginnen und dabei vor allem die Zeit des griechischen Bürgerkrieges von 1946-1949, der außerhalb Griechenlands, kaum im kollektiven Geschichtsgedächtnis vorhanden ist berücksichtigen. Das Casting dazu hat schon begonnen mit einem motivierten Team der Filmfakultät der Aristoteles Universität. Für die Hauptrolle konnte er den Theaterschauspieler Alexandros Nikolaidis gewinnen, mit dem er bereits zuvor zusammengearbeitet hatte. Markos Totskas wird einen gewalttätigen Zuhälter und Koutsavakis spielen. Und der talentierte Bouzouki-Spieler Giannis Daskalos wird einen Auftritt innerhalb des Films haben und viele weitere Gastauftritte von großen Musikern und Vertretern des Rembetiko sind geplant.
Marco Papadopoulos ist im Spätsommer, mit der Bitte um Unterstützung durch die ΠΟΠ, für sein Filmprojekt, an uns herangetreten. Wir sind, auch als Städtepartnerschafts Köln – Thessaloniki, sofort und gerne bereit gewesen, ihn, sowie das Projekt, mit unseren beschränkten finanziellen Mitteln insofern zu unterstützen und zu begleiten, in dem wir ihm die Möglichkeit geben auf unseren Medien über die weitere Entwicklung seiner Arbeit zu berichten. Im September hat er uns ein einen ersten Bericht und genauere Beschreibung seines Filmprojekts und die ersten Fortschritte, geschickt den Sie hier lesen können.


 

15.09.2018

Thessaloniki – neue Filmstadt
von: Marco Papadopoulos

Στην Αριστοτέλους πιάσαμε κουβέντα
και περπατήσαμε στην Τσιμισκή
από ‚κει και πέρα γίναμε παρέα
και γίναμε ζευγάρι εγώ κι αυτή

Στο λευκό τον Πύργο – 1975
Γιώργος Ζαμπέτας

Mein Name ist Marco Papadopoulos, ich bin 26 Jahre alt, Student der Film- und Medienwissenschaft und Anglistik an der Ruhr-Universität Bochum und manchmal auch Regisseur. Ich beende derzeit meine filmwissenschaftliche Masterarbeit in Griechenland, Thessaloniki, da ich über die filmische Repräsentation dieser Stadt innerhalb der griechischen Filmgeschichte unter besonderer Berücksichtigung der Produktionsfirma FINOS FILM schreibe. Das hat einige Gründe: Zum einen habe ich an der Filmschule der Aristoteles Universität Thessaloniki für zwei Semester studiert, meine Leidenschaft für die Stadt entdeckt und meinen Kurzfilm Black Tea – a short story gedreht. Zum anderen glaube ich, dass Thessaloniki als griechische Stadt neben Athen ziemlich unterrepräsentiert ist, sowohl filmwissenschaftlich als auch filmisch. Es gibt kein konkretes Werk, dass sich wissenschaftlich und bildästhetisch mit dieser Stadt auseinandersetzt. Denn viele Filme wurden in Thessaloniki gedreht und da fallen mir nicht nur die von FINOS FILM oder Vorzeige-Regisseur Theo Angelopoulos an. Ganz im Gegenteil. Einer der ersten war der Österreicher Georg Wilhelm Pabst mit seinem Film Spione von Saloniki (1936), der die Stadt als spannenden Ort des Verbrechens inszenierte. Und genau deswegen interessiert es mich das filmische Thessaloniki neu aufzuarbeiten, nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch in Zusammenarbeit mit den Studenten und Schauspielern Thessalonikis. Eine neue Filmproduktion hat begonnen….

Black Tea – a short story

In meinem neuen Film geht es um das Rembetiko, der mittlerweile bekannte Musikstil, der seine Ursprünge in Kleinasien hatte und dann spätestens nach der kleinasiatischen Katastrophe von 1922 in die Tekedes des Festlands überschwappte und schnell zur berüchtigten Musik des Untergrunds wurde, die nicht nur bekannte Vertreter der Kompania Τετράς η ξακουστή του Πειραιώς hatte. Noch heute gibt es Bewunderer des „griechischen Blues“ und neue Ausführungen bekannter Lieder. Die Geschichte Griechenlands und Thessalonikis geht mit der Geschichte des Rembetiko einher. Noch letztens war ich in Kalamaria bei einem Konzert, das „Τα ρεμπέτικα της Θάλασσας“ (Die Rembetika des Meeres) hieß, unter anderem mit Dimitris Mistakidis.

Black Tea – a short story

Doch wo ist die filmische Repräsentation des Rembetiko in den letzten Jahren geblieben? Es ist so, dass es bis auf den Film „Rembetiko“ (1983) von Kostas Ferris und der Serie „To Minore Tis Avgis“ (1983-84) keine filmische und narrative Auseinandersetzung mit dem Thema gibt. Und das ist schon 30 Jahre her.
Klar, es gibt die berühmten Bücher von Elias Petropoulos, viele Dokumentationen, Biographien (von Markos Vamvakaris bis Michalis Jenitsaris), ein sehr aufschlussreiches historisches Buch von Ioannis Zelepos und noch weitere wissenschaftliche Auseinandersetzungen, die irgendwo zwischen Fakt und Mythos angesiedelt sind. Außerdem sollte der Comic Rembetiko des Franzosen David Prudhomme aus dem Jahre 2010 hier Erwähnung finden, da es stilistisch eines der authentischsten und jüngsten Werke darstellt. All dies gilt als Inspiration, befriedigte aber nie ganz meine persönlichen Erwartungen an das Rembetiko. Es fehlte die Härte, eine internationalere Herangehensweise und vor allem eine historische Epoche fehlte – wohl nicht ganz zufällig:
Der griechische Bürgerkrieg von 1946-1949.

Unser Film spielt in einer kleinen Taverne im letzten Monat des Bürgerkrieges, kurz vor dem Ende einer historischen und musikalischen Epoche, als das authentische Rembetiko schon fast nicht mehr existiert und die Bürger zermürbt von pausenlosen Kriegen sind. Die Rembetes spielen ihre letzten Lieder. Auch die Diktatur von Metaxas wird eine große Rolle spielen. Während in Deutschland die „Stunde Null“ ihr Ende nimmt, beginnt sie gerade erst in Griechenland. Alles Tabuthemen oder genau das, was die griechische Filmlandschaft gerade brauch? Außerhalb Griechenlands ist der Bürgerkrieg im kollektiven Geschichtsgedächtnis kaum vorhanden. Also haben wir uns vorgenommen Geschichte, Musik und Fiktion miteinander zu kombinieren, um einen außergewöhnliche Langfilm auf die große Leinwand zu bringen. Die Epoche dient für mich als Hintergrund, um mit Elementen des Western- und Gangsterfilms eine spannende Geschichte zu erzählen. Die Produktion hat also offiziell begonnen mit einem motivierten Team der Filmfakultät der Aristoteles Universität. Für die Hauptrolle konnte ich den Theaterschauspieler Alexandros Nikolaidis gewinnen, mit dem ich bereits zuvor zusammengearbeitet hatte. Markos Totskas wird einen gewalttätigen Zuhälter und Koutsavakis spielen. Und der talentierte Bouzouki-Spieler Giannis Daskalos wird einen Auftritt innerhalb des Films haben und viele weitere Gastauftritte von großen Musikern und Vertretern des Rembetiko sind geplant. Die Geschichte kommt offensichtlich gut an. Noch diese Woche findet das Casting für alle anderen Rollen statt. Anfang Dezember beginnen die Dreharbeiten. Unterstützung wird stets benötigt.
Ein wichtiger Film, der nicht nur eine deutsch-griechische Koproduktion darstellt, sondern vor allem den Studenten, Schauspielern und allen Liebhabern des Rembetiko und der griechischen Geschichte eine Chance gibt ihr volles Talent zu nutzen.

Sinn des Blogs soll es also sein meine Ergebnisse, Erfahrungen und Entwicklungen der Produktion vorzustellen. Und auch einige spannende Entdeckungen aus der griechischen Filmwelt, die auf meinen Recherchen zu meiner Masterarbeit beruhen.

Liebe Grüße
Marco Papadopoulos