Freitag, 23. Nov. 2018, „Kapitäninnen der Freiheit“ von und mit Mischi Steinbrück, 19:00 Uhr Bonn

„Kapitäninnen der Freiheit“ nennt Mischi Steinbrück die drei großen Kämpferinnen, die in den Seeschlachten der 1820er Jahre wesentlich zur Befreiung Griechenlands von der osmanischen Fremdherrschaft beitrugen.
In rhythmischen Texten, die sie mit Gesang verbindet, versucht sie, uns die hier weithin unbekannten und fernen Gestalten der Bouboulina, der Manto Mavrogenous und der Domna Wiswisi näher zu bringen.
1822 hatten sich die Griechen und Griechinnen Unabhängigkeit und Demokratie erkämpft. 10 Jahre später wird Otto von Bayern zum König von Griechenland gekrönt. Was geschah in dieser Zeit? Historische Fundstücke und Lieder aus der Ägäis heben den Schatz der Erinnerung an die Gestalten der Kaptitäninnen.

Zeit:Freitag, 23. Nov. 2018, um 19:00 Uhr

Ort: MIGRApolis-Haus der Vielfalt, 53111 Bonn, Brüdergasse 16-18
Internet: https://migrapolis-deutschland.de/

Fotos: Klaus Genske

Ablauf
Es beginnt mit dem „Wachauer Schifferlied“ von 1832, in dem der Abschied eines österreichischen Söldnersoldaten besungen wird, der mit Otto von Bayern nach Griechenland zieht. Danach kommt seine zurückgelassen Liebste zu Wort: Über ihre Hoffnung auf die durch den Sold mögliche Heirat, wenn er denn überlebt, über Unverständliches und Widersinniges in der großen Politik und über die griechischen Lieder, die sie von einem Leierkastenmann hört:
„Xekinai mia psaropoula – Ein Fischerboot legt ab vom Strand“. Doch die mutigen Schwammtaucher darin finden auf dem Meeresgrund noch ganz anderes als Schwämme und Perlen: Bretter, Münzen, gesunkene Schiffe, aus denen Geschichte spricht – allerdings eine ganz andere als jene in ZDF auf „history“. Auf den Münzen die Bildnisse zweier Kapitäninnen; der Laskarina Bouboulina, die gerade erst (2018) posthum in einem Präsidialakt zur Konteradmiralin ernannt wurde und der Manto Mawrogenous, die hoffentlich noch rehabilitiert wird.
Domna Wiswisi, die thrakische Kapitänin, wird in einem alten Lied mit byzantinisch anmutender Melodie besungen.
In rhythmischer Prosa werden die Biografien der drei Frauen umrissen. Melodische Vokalismen tauchen in das Meer der Erinnerung.
Mit zwei schweren Rebetika „Aide san pethano – Ach, wenn ich sterbe, was werden sie sagen?“ und „Mesa varia nichta – In tiefer Mitternacht“ wird das jammervolle Ende der drei Frauen, die mit ihren Seeschlachten wesentlich zur Befreiung Griechenlands beitrugen, kommentiert.
Die „Tsavelena“ jedoch kämpfte an Land, so wie die vielen Heldinnen im Epirus, auf der Peleponnes und auf Kreta. Sie wurden durch Lieder in ganz Europa bekannt. „Die Souliotin“, ein Gedicht des deutschen Romantikers Wilhelm Müller, genannt der „Griechen-Müller“, trug 1823 noch zur deutschen Solidarität mit dem griechischen Befreiungskampf bei. – Und doch konnten die Griechen ihre Demokratie nicht erhalten. Der Bogen schließt sich mit Blick auf die Krönung und Herrschaft Ottos von Bayern.
Waren also all die Kämpfe um Freiheit, Demokratie und Unabhängigkeit vergeblich? Müßige Frage. Geschichte endet nicht.